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Bewegung mit der Antike

Ich komme mir vor wie ein Kunstbanause, der an einem Werk vorübergeht und ohne es zu begreifen darüber spottet. Ich komme mir vor, wie ein Pseudointellektueller, der hochnäsig alles wegselektiert, was nicht in sein ideologisches Lebenskonzept passt. Ich tue so, als ob es die Antike nie gegeben hätte oder als ob sie nicht relevant wäre. Damit ähnele ich dem Fanatiker, der aus ideologischen Gründen Kulturgüter zerstört und versucht, das 1000-jährige römische Erbe von den Seiten der Geschichte zu löschen. Zum dem ausschließlichen Kriterium für die Existenz der Dinge erwähle ich mein Verstehen. Wenn ich also etwas nicht verstehe, dann existiert es nicht. Dazu gehört folglich auch die Antike.



Doch anders verhält es sich mit den Lateinschülerinnen und Schülern des F. F. Runge Gymnasiums. Die Schülerinnen und Schüler erkunden das Kulturerbe der Antike, indem sie sich nicht nur mit der Übersetzung der lateinischen Schriften beschäftigen, sondern auch live vor Ort im Alten Museum in Berlin, in Begleitung vom erfahrenen Archäologen, Guido Petras, mit archäologischen Befunden in Berührung kommen. Sie begeistern sich nicht nur für den Spracherwerb im Lateinunterricht, sondern brennen darauf, auch die Symbolsprache zu erlernen. Wenn der Pseudointellektuelle über die Nacktheit der Statuen spottet, wissen nun die Schülerinnen und Schüler, dass die Nacktheit nicht immer eine erotische Konnotation hat, sondern das Bedürfnis nach Schutz und Schamgefühl der dargestellten Figur symbolisiert oder den Helden in seinem Muskelkostüm auf dem Gemälde verdeutlicht. Wenn der Kunstbanause über die korpulente Figur eines etruskischen Händlers auf dem Grabmal sich lustig macht, offenbart er damit lediglich seine Ignoranz. Unsere Schülerinnen und Schüler aber wissen genau, dass die Korpulenz dieser Figur lediglich seinen Wohlstand symbolisiert. Wenn der Symbolanalphabet unkundig vor der heroischen Augustus Statue steht, dann glaubt er wahrscheinlich, dass der Princeps so ausgesehen haben muss. Die Lateinschülerinnen und Schülern des F. F. Runge Gymnasiums haben die Kompetenz erworben, das antike Werk richtig interpretieren zu können. Sie wissen nun, dass die Darstellung des Princeps, mit Carl Rogers Worten, dem Idealkonzept, und um in der heutigen Sprache zu sprechen, dem Instagrambild entspricht, nachdem es gephotoshopt und unter Verwendung zahlreicher Filter gepostet wurde.

Gewiss wurde auf diese Weise nur ein kleiner Beitrag für die Bildung der lateinkundigen Schülerschaft geleistet. Allerdings kann ich, mit ihnen auch ein Schüler der Symbolsprache, jetzt ruhigen Gewissens schlafen und sicher sein, dass sie an antiken Werken nicht ohne stehenzubleiben vorbeigehen. Ich kann sicher sein, dass, wenn sie genau zuhören, die antiken Werke zu ihnen de facto sprechen werden.

Lateinkurse des F. F. Runge Gymnasiums
Lehrkräfte: Alexander Achziger jr., Lone Jurgawka
Referendar: Henry Keller
Besonderer Dank an: unseren Guide Guido Petras und das freundliche Personal des Alten Museums (Bodestraße 1-3, 10178 Berlin)